Amazonas Touren und Expeditionen in Brasilien

Ara Ara Flusslandschaft am Rio Negro Flusslandschaft am Rio Negro

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Reiseberichte / Kommentare

Abenteuer am Oberlauf des Rio Negro


Gästekommentar

Dr. Michael Heller

(Düsseldorf, Deutschland)

Also unsere Tour war prima, total interessant.

Die Jungs vor Ort waren hervor­ragend. Alle sehr sehr nett, kennt­nis­reich und konn­ten auch noch kochen. Aldair hat mit seiner Fröh­lich­keit dem ganzen dann die Krone auf­ge­setzt. Wir sind unter den Urwald­um­stän­den wirklich könig­lich behan­delt und geführt worden.

Leider lässt unsere Zeit es wohl nicht zu, dieses Jahr noch­mals nach Brasi­lien zu kommen. Die Expe­dition zum Casiquiare lässt mich aber nicht in Ruhe. Halte mich doch auf dem lau­fenden, denn zum Pico da Neblina schaffe ich es dieses Jahr sicher nicht mehr.

Aber vielleicht geschieht ja noch ein Wunder. Ich habe eben noch­mals deine Seite auf­ge­rufen und die ganzen Ideen für dieses Jahr gesehen.

Dr. Michael Heller


 

Tourgruppe mit ihren guides Tourgruppe mit ihren guides Schwimmender Hafen von Manaus Schwimmender Hafen von Manaus „Gaiola” „Gaiola” Aldair Aldair

Expeditionsbericht


„Amazonien ist ein einziges gewal­tiges Paradies, woran auch die Heere von Mos­kitos nichts ändern.„

Cristóbal de Acuña, spanischer Jesuit, in „Eine neue Entdeckung der großen Flüsse Amazoniens”, 1641


Expeditionsteilnehmer:

Tobias Rothenfluh
Corinne Gut

Peter Rohmer (SCTE/Brasilien)
Tristan Wolfe (SCTE/UK)
Aldair, Jeremias und Alberto (Guides)

1. Tag – Ankunft

Expeditionsleitung und Teil­nehmer treffen sich in der Urwald­metro­pole und Haupt­stadt des Bundes­landes Ama­zonien, Manaus. Hier absol­viert man das klas­sische Besucher­programm. Interes­sant ist das alte Opernhaus, das seine Blüte­zeit während des Kaut­schuk­booms hatte, und die Markt­hallen am Hafen, die den ehe­maligen Pariser Les Halles nach­empfun­den sind. Der Hafen selbst fas­zi­niert mit seinem bunten und geschäf­tigen Treiben, dem Be- und Ent­laden der Amazonas-Fracht- und Passa­gier­schiffe, Gaiolas („Käfige”) genannt, die von hier aus in die hin­ters­ten Winkel dieses riesigen Gebie­tes fahren. Ein­bäume und Boote aller Größen und Formen kurven rasant zwischen den grö­ßeren Schiffen hin und her. Man über­nachtet in einem ein­fachen aber sau­beren Hotel mit schönem Blick auf den Hafen und den Rio Negro.

2. Tag – Das Abenteuer beginnt

Ein früher Flug mit Rico Air, der regio­nalen Flug­linie Ama­zoniens, bringt die Gruppe in 2 Stunden Flug, immer dem Verlauf des Rio Negro in west­licher Richtung folgend, in die Grenzer­stadt São Gabriel da Cachoeira. Aldair der Chef-Guide, ein sympa­thi­scher Tukano-Indio, begrüßt die Gruppe auf dem Flug­hafen. Ein­quar­tierung im Hotel Waupés, direkt an den Ufern des Rio Negro gelegen. Erste Er­kun­dungs­fahrten und aus­checken des 40-PS-Außen­bord­motors auf den Strom­schnel­len bringt befrie­digende Ergeb­nisse. Für das Ein­holen der Geneh­mi­gungen zum Betre­ten der India­ner­gebiete hat die Expe­ditions­leitung inzwischen gesorgt.

Hibiskus Hibiskus Palmenheine Palmenheine Käfer Käfer

3. Tag – Am Rio Negro

Früher Aufbruch (6.30 Uhr). Nach einem herz­haften Früh­stück im Hotel wird die Aus­rüstung in dem großen Kanu ver­staut, das uns am Sand­strand des Rio Negro erwartet. Um 8.00 Uhr geht es los. Selbst um diese Zeit schon brütet die Sonne über Ama­zonien und schafft eine schöne Atmos­phäre, um uns auf unseren Expe­ditions­beginn einzu­stimmen. Nach 15 Minuten erreichen wir den male­rischen Hafen von Camanaus, wo die Guides anlegen, um Benzin­kanis­ter und frische Bananen zu laden, während Peter, Tristan und die Expe­ditions­teil­nehmer eines der Schiffe besich­tigen, das gerade aus Manaus gekommen ist. Die drei­tägige Reise kann jeden Freitag unter­nommen werden und bietet eine Alter­native zum Flug mit Rico Airlines.

Zurück an Bord, fahren wir weiter den Rio Negro strom­abwärts – mit frischen, winzigen, aber süßen Bananen im Bauch. Freudige Erregung über die bevor­ste­hende Aben­teuer­reise über­fällt uns bei unserer näch­sten Anlege­stelle beim Sítio Jeremias, sehr schön am Fluss­ufer gelegen, wo wir buch­stäb­lich den ersten Geschmack davon er­halten, was uns erwar­tet. Hier pro­bieren wir einige der köst­lichen tropi­schen Früchte, die in der Region wachsen: Frische Kokos­milch, Cayenne Limonen (die wie Stachel­beeren schmecken) und Guaven. Die Guides holen hier Werk­zeuge für even­tuell an­fal­lende Repa­ratu­ren am Außen­bord­motor des Kanus ab.

Nach 45 Minuten fahren wir weiter zur Mündung des Rio Curi­curi­ari. Wir vertäuen das Boot bei einem Tukano-Indio­dorf, da wir die traurige Nach­richt über­bringen müssen, dass der Sohn des Häupt­lings in der Stadt gestorben ist. Trotz des morbiden An­lasses sind die Dorf­bewohner (allen voran die Kinder) neu­gierig und er­freut über unseren Besuch. Peter lässt sich mit den Indio­kindern foto­gra­fieren. Mittler­weile ist es die heißeste Tages­zeit und Peter, Tristan und Jeremias stürzen sich in den erfri­schen­den Fluss, bevor die Reise auf dem Rio Curicuriari zu einem traum­haften Wasser­fall weiter­geht, dessen Umgebung der Aus­gangs­punkt für unsere Expe­dition zu Fuß am zweiten Tag ist.

Flusslandschaft Flusslandschaft Bela Adormecida Bela Adormecida

Der Wasserfall liefert eine weitere exzel­lente Gele­gen­heit zum Baden, obwohl man auf­passen muss, nicht von den starken Strö­mungen des Flusses mit­gerissen zu werden. Vom Baden entspannt, führt uns Aldair auf einer kurzen Ent­deckungs­tour in den Dschungel (die unse­ren Expe­ditions­teil­nehmer einen Vor­ge­schmack auf die nächsten Tage bietet). Während­dessen haben Jeremias und Alberto ein Pick­nick zube­reitet, das aus Dosen Thun­fisch, Brot und einer, auf dem Feuer gegrill­ten, Pfeffer­wurst besteht, die wir mit eis­kalter Cola aus unserer Kühl­box herun­ter­spülen.

Danach geht es mit dem Kanu einen kurze Strecke (10 Minuten) strom­auf­wärts zurück zu unserem Ziel­ort des ersten Tages, den wir um 15.00 Uhr erreichen: São Jorge, ein weiteres kleines Indio-Dorf des Tukano-Stammes, wo wir vom Häupt­ling (hier capitão gennant) und den Dorf­be­wohnern warm­herzig will­kommen geheißen werden. Die Ver­eini­gung Acibrn organisiert die Gemeinde zusammen mit drei anderen vom unteren Rio-Negro-Becken. Zweck der Ver­eini­gung ist es, Tradi­tionen, Werte und Ge­bräuche zu bewah­ren und gleich­zeitig das Bewusst­sein für die Bürger­rechte zu fördern, auf die alle Indios An­spruch haben. Wie in den alten Zeiten, bevor sie von den katho­lischen Missio­naren im aus­gehen­den 18. Jahrhundert „zivilisiert” wurden, benutzen sie immer noch hand­gemachte Werk­zeuge im Alltag, wie etwa die Maniok-Mahl­steine, Pressen, und Röst­schüs­seln. Maniok und Fisch in den ver­schie­densten Formen der Zube­rei­tung liefern die Haupt­nahrung der Tukanos, obwohl sie auch Bananen an­pfla­nzen, um sie gegen Bohnen und Medi­ka­mente zu tauschen. Die tradi­tio­nellen Hütten sind hier aus Stöcken und Lehm gebaut, die Dächer mit Blät­tern wilder Açaí-Palmen gedeckt, zusam­men­ge­halten durch Lianen-Fasern. Sie wirken extrem stabil und im ganzen sieht der Ort sauber, sehr orga­nisert und gut struk­turiert aus.

Expeditionsteilnehmerin Corinne Expeditionsteilnehmerin Corinne Schmetterling Schmetterling Unterkunft Unterkunft Flusslandschaft Flusslandschaft

Wir werden in die Gemein­schafts­hütte geführt, in der wir an einem Gottes­dienst teil­nehmen (die Haupt­reli­gion hier ist der Katho­lizis­mus), während der erste Regen­guss unserer Reise fällt. Später spannen wir im selben Gebäude unsere Hänge­matten auf. Unsere Guides haben inzwi­schen über einem Feuer unser Abend­essen zube­reitet: Fleisch­spieße, Reis und Teig­waren, alles auf Geschmack und Bedürf­nisse der ein­zelnen Gruppen­mit­glieder von Southern Cross Tours be­stellt (ein­schließ­lich der vege­tari­schen Gerichte für Corinne, unsere vege­tari­sche Expe­ditions­teil­nehmerin). Schon bald nach dem Abend­essen ziehen wir uns in unsere Hänge­matten zurück, um unsere erste Nacht im Busch zu ver­bringen. Für unsere Expe­ditions­teil­nehmer ist es gleich­zeitig die erste Nacht in einer Hängematte.

4. Tag – Der erste Trail

Wieder beginnt der Tag früh (6.00 Uhr), da wir vom Dorf­pries­ter geweckt werden, der mit Hin­gabe auf eine Blech­büchse hämmernd, den Stamm zum Morgen­gebet ruft. Zum Früh­stück wird dem Southern Cross Team Maniok­brei im Fisch­sud und schärf­stem Pfeffer ange­boten. Man probiert aus Höf­lich­keit, zieht jedoch nahr­haftes Müsli, Toast und Marme­lade, Kaffee vor. Tristan bedient sich aus seinem priva­ten Vorrat mit engli­schem Tee. Auf dem Weg zu unserem Kanu beob­achten wir die Dorf­be­wohner, wie sie einen Baum­stumpf tief aus dem san­digen Boden aus­graben, um Platz für eine neue Schule zu schaffen. Um 8.45 Uhr fahren wir mit dem Kanu zum Wasser­fall, den wir am Vortag besucht haben und der Aus­gangs­punkt für unseren Dschungel­trail ist. Auf dem Weg ver­stecken wir Teile der Aus­rüstung (Zelte, Iso­matten und die 70-Liter-Kühl­box) sowie Lebens­mittel, die wir nicht brauchen werden, auf einer ver­las­senen Maniok­pflan­zung, um sie nach unserem Trail wieder ein­zu­sammeln. Beim Wasser­fall sichern die Guides das Boot am Fluss­ufer und ver­stecken den Motor und die Treib­stoff­kanister im dichten Busch für den Rückweg.

Knotenbaum Knotenbaum Blattscheiderameisen Blattscheiderameisen Igapó Igapó

Schon nach ein paar Minuten Fuß­weg können wir die ersten An­zeichen von Wild­tieren ent­decken. Das erste, was wir sehen, sind schwin­gende Zweige oben in den Baum­kronen, die für die An­wesen­heit von Affen sprechen, aber trotz all unserer An­stren­gungen, sind sie schon ver­schwun­den, bevor wir einen flüch­tigen Blick auf sie werfen können, als ob sie mit dem Wün­schen der Expe­ditions­teil­nehmer spielten, sie zu sehen! Wir setzen den Weg fort und unsere Geduld wird kurz darauf belohnt, als wir ein Wald­huhn (Inhambú) fünf Meter vor uns von einem Zweig auf­fliegen sehen, bevor es im Dickicht ver­schwin­det. Wir schrecken eine Rotte Peccari-Wild­schweine auf, die mit Getöse davon­stieben. Sehen (und fühlen!) können wir auch ein Heer von Blatt­schnei­der­ameisen, das in mili­täri­scher Ord­nung Pflan­zen ab­trans­por­tiert, sowie einen Bau flie­gender Ameisen (Sauva, die bis zu drei Zentimetern lang werden). Peter erzählt uns die Geschichte, wie diese bei­ßenden Insek­ten für eine Mut­probe der Indio­jungen genutzt werden: Sie müssen Stroh­hand­schuhe mit betäub­ten Sauvas an­ziehen. Wenn der Betäu­bungs­effekt nach­lässt, ver­beißen sich die Ameisen in den Händen der Jungen, was starken Schmerz verur­sacht. Wer von den Jungen am wenigsten Schmerz zeigt, wird in die Welt der Er­wachsenen.

Wir wandern durch ursprünglichen Terra-Firme-Wald (eine der drei Vege­tations­arten der amazo­nensi­schen Regen­wälder), der nicht im Über­schwem­mungs­bereich der Flüsse liegt und somit leicht zugän­glich ist. Die zweite Vege­tations­art sind die Igapó-Wälder, die ständig über­flutet sind und durch die man nur mit dem Kanu auf der Höhe der Baum­kronen fahren kann. Die dritte Art sind die Várzea-Wälder, die in der Region der Weiß­wasser­flüsse gedeihen und teil­weise (von Mai bis Ende September) über­schwemmt sind. Im Terra-Firme-Wald wachsen die höchsten Bäume und wir sehen bis zu 50 Meter hohe Brett­wurzler, für die min­des­tens zehn Personen nötig wären, um sie zu umarmen!

Flora Flora Trekking Trekking Feuerstelle Feuerstelle Baumwurzel Baumwurzel

Während der zwei Stunden lockeren Fuß­mar­sches können wir in Muße den dichten Wald um uns herum bewun­dern und foto­gra­fieren. Wir stapfen über Blatt­werk, auf moras­tigem Boden und über gewal­tige Baum­wurzeln bevor wir einen Seite­narm (Igarapé) des schnell flie­ßenden Stroms Arabú erreichen (der im Bela-Adormecida-Massiv ent­springt und den Rio Curicuriari speist). Hier gibt uns allen die Gele­gen­heit zu einem erfri­schen­den Bad, außer den Guides, die auf den dunklen Himmel blickend, eilig ein bereits be­ste­hendes Camp her­richten und ver­größern, um alle kom­for­tabel unter­zu­bringen. Mitten im Aufbau beginnt ein sint­flut­artiger Regen­guss und hastig breiten wir eine Plane über unsere Aus­rüstung. Als der Regen nach­lässt, machen wir es uns in unsere Hänge­matten gemüt­lich, während die Guides unser Essen (Huhn, Reis, Bohnen­ein­topf, Wurst) auf dem Feuer zube­reiten. Ein zweiter starker Regen­guss ver­hin­dert die nach­mit­täg­liche Ent­deckungs­tour unserer Expe­ditions­teil­nehmer. Als Ent­schä­digung mixt Peter uns exo­tische Batidas aus Zucker­rohr­schnaps und Frucht­saft, während Tristan ein weiteres Feuer am anderen Ende des Camps an­zündet, um die Mos­kitos zu ver­treiben. Im Dschungel wird es etwa um 19.00 Uhr dunkel. Alle ziehen sich nach dem Abend­essen in ihre Hänge­matten zurück, nur Peter und Tristan sitzen noch am Feuer und gönnen sich den Luxus einer Tasse York­shire Tee, den Tristan den weiten Weg aus England mit­ge­bracht hat!

5. Tag - Wieder auf dem Trail

Um 6.00 Uhr wachen wir auf von erneutem Regen, der unsere Guides aus ihren unter den Bäumen auf­ge­spann­ten Hänge­matten springen lässt, um unter dem Dach Schutz zu finden! Nach dem üblichen köst­lichen Dschun­gel­früh­stück beginnen wir unsere Tour mit dem Über­queren des Igarapé. Einmal mehr bewun­dern wir auf dem Weg die unge­heure Arten­viel­falt von Flora und Fauna. Aldair ver­mittelt uns viel von seinem indi­anischen Wissen, das in Tau­senden von Jahren zu­sam­men­ge­tragen wurde (was Peter aus­ge­zeichnet über­setzt, damit alle Teil­nehmer etwas davon haben). Bei einer umge­fal­lenen Açai-Brava-Palme erklärt er uns bei­spiels­weise, dass ihre Wurzeln mit Wasser ver­mischt zur Behan­dlung von Malaria dienen. Wir treffen auch auf knos­pende Orchi­deen und eine Viel­zahl von Früchten und Nüssen, die auf dem Wald­boden liegen.

Dschungel Camp Dschungel Camp Spinne Spinne

Nach einem drei­stün­digen Marsch durch den dichten Regen­wald er­rei­chen wir den Fuß des Bela-Adormecida-Berges (dem „Dornröschen” genannten Massiv in Form einer schla­fenden weib­lichen Gestalt!). Hier über­queren wir noch­mals den Arabú Fluss. Wie ver­zau­bert wirken die Bäche und Becken zwischen riesigen Fels­blöcken-Pools, die in allen Grün­schat­tie­rungen von Flechten und Moosen überzogen sind. Peter und die Expe­ditions­teil­nehmer genießen die märchen­hafte Umge­bung (Peter findet gar ein Gold­korn in einem der Wasser­becken), während Tristan den Guides hilft, das Camp auf­zu­bauen, indem er Lianen sammelt (mit denen die Stütz­balken des Baus zu­sam­men­ge­bunden werden). Nach­mittags begeben sich die Expe­ditions­teil­nehmer auf eine Dschun­gel­ent­deckungs­tour, die ihnen exzel­lente Foto­motive der arten­reichen Flora und Fauna des nörd­lichen Ama­zo­niens bietet. Während­dessen instru­iert Peter Tristan über den mor­gigen Auf­stieg auf den „Dorn­röschen-Berg”, da er selbst im Camp bleiben wird.

Das Camp sieht groß­artig aus, wirk­lich pro­fes­sio­nell. Die Guides haben die Hänge­matten abge­deckt, um sie vor den abend­lichen Regen­güssen zu schützen, und alles ist perfekt für die Rück­kehr der Expe­ditions­teil­nehmer vorbe­reitet. Peter und Tristan haben ein her­vor­ragen­des Feuer zustande gebracht (um mit den Guides zu kon­kur­rieren!), über dem wir ver­suchen, unsere Klei­dung trocken zu räuchern!

Orchidee Orchidee Baumriesen Baumriesen Schmetterling Schmetterling Kurz vor dem Gipfel Kurz vor dem Gipfel

Sobald die Dunkel­heit sich über den Dschun­gel legt, setzt eine viel­stim­mige Geräusch­sympho­nie ein. Der Ruf des Inhambú ist fast immer vor­herr­schend, doch wir können auch andere Stimmen hören, wie die ganzer Frosch­armeen und die der Tukane. Die Guides stellen Kerzen rund um das Camp auf zum Abend­essen und ver­leihen dem ohnehin schön gele­genen Platz einen Touch von Mystik und Abge­schie­den­heit - der per­fekte Ort zum ruhigen In­sich­gehen abseits vom Stress und der An­span­nung des hek­tischen west­lichen Lebens­stils. Alle genießen ein das Abend­essen . Dann folgt eine frühe Nacht­ruhe, um fit für den Auf­stieg am 6. Tag zu sein.

6. Tag - „Dornröschens” Eroberung!

Weckruf um 6.00 Uhr nach der bisher kühl­sten Nacht, in der alle ihre leich­ten Woll­pull­over ange­zogen haben, um die Kälte der Nacht­luft abzu­halten. Nach einem raschen Früh­stück be­gin­nen Trsitan, Alberto, Jeremias und die Expe­ditions­teil­nehmer ihren Auf­stieg um 7.15 Uhr. Der Kampf berg­auf ist uner­bitt­lich mit nur sehr wenigen ebenen Stellen, doch wir kommen gut voran. Alberto markiert unseren Weg mit seiner Machete an den Bäumen, um unseren sicheren Ab­stieg zu gewähr­leisten. Nach zwei Stunden steilen Auf­stiegs er­rei­chen wir eine kleine Schlucht, an der wir rasten und fri­sches, kühles Wasser aus einer Quelle trinken, die aus der Berg­wand fließt. Nach zehn Minuten führen wir unseren Auf­stieg fort und klettern über moos­be­deckte Fels­brocken (von denen einige größer als Tristan mit seinen 1,75 m sind!). Sowie wir an Höhe gewinnen, kommt Wind auf und die Wolken hüllen uns ein. Bald kommen wir an ein nahezu senk­rechtes Stück ohne Baum­wurzeln oder Lianen, die uns Halt bieten würden, und so müssen wir uns an­seilen, um den Auf­stieg fort­zu­setzen. Auf einem Felsen vor uns sprießen aus einer Spalte gelbe Orchi­deen, wahr­schein­lich Cataseum pileatum. Wir stehen plötz­lich vor einer cirka 20 m hohen, fast ver­tika­len Wand (schwie­riger und höher – 20 m – als die letzten beiden), als der Gipfel schon in Reich­weite ist. Bei diesem schwie­rigen Hin­dernis staunen wir, als Alberto (Mitte 50) an einem alters­schwachen Seil (das aus­sieht, als wäre es schon über 30 Jahre hier) hoch­klet­tert, um uns ein neues her­unter­zu­werfen. Tristan prüft es auf seine Halt­bar­keit und klettert als erster hoch, bevor Jeremias die Expe­ditions­teil­nehmer fach­männisch an­seilt und sie hinauf­gezogen werden. Nachdem alle sicher oben ange­kommen sind, bewäl­tigen wir die letzten 30 Meter dichten Waldes, der in den ver­gan­genen 20 Jahren schein­bar nicht mehr betreten wurde – bis zum Gipfel des Bela Adormecida (Ankunft um 11.15 Uhr).

Hibiskus Hibiskus Spinne Spinne

Der Blick von der Berg­spitze ist atem­be­rau­bend. Der ama­zonen­sische Regen­wald unter uns aus­ge­breitet wie eine Decke. Auf einer Höhe von 1125 m über dem Meeres­spiegel (900 m Aufstieg vom Camp aus) können wir einige der Orte sehen, die wir bisher besucht haben, wie São Gabriel da Cachoeira, den Hafen von Camanaus, den Rio Negro und den Curicuriari sowie die Siedlung São Jorge. Tristan versucht, den Wasser­fall zu er­kennen, wo wir das Kanu ver­täut haben, doch aus dieser weiten Ent­fer­nung ist es reines Wunsch­denken! Wir bleiben eine Stunde auf dem Gipfel und genie­ßen die wunder­schöne Aus­sicht, die spek­taku­läre Foto­motive lie­fert, die Ruhe um uns herum und die Natur mit strah­lend weißen Orchi­deen, die wir nicht iden­tifi­zieren können, singenden Vögeln – und unseren ersten Blick auf die Sonne, seit­dem wir in den Dschungel ein­ge­taucht sind!

Nach dem Essen stellt Tristan eine Dschun­gel­flagge (ein Stock und ein großes Blatt) auf, um die Er­obe­rung des Gipfels durch unsere Gruppe zu signa­lisie­ren, bevor wir uns auf den Rück­weg machen. Der Ab­stieg geht viel mehr auf die Knie als der Auf­stieg und das be­helfs­mäßige Ab­seilen ist ent­schieden für die muti­geren und aben­teuer­lusti­geren Naturen. Wir über­winden sicher die Hin­der­nisse auf unserem Weg (senk­rechte Wände, Hor­nissen­nester und Schlangen – Cobra Cipó) bis wir gegen 15.00 Uhr das Camp er­reichen. Hier begrü­ßen uns Peter und Aldair mit Sar­dinen­salat und zusam­men­gezim­merten Klei­der­stän­dern zum Trocknen unserer Klei­dung. Bevor wir Peters köst­liches Mahl genie­ßen, nehmen wir ein ent­span­nendes Bad in den Pools. Die Tages­tour war an­stren­gend, deshalb fallen die Wanderer wie Säcke in Ihre Hänge­matten. Der Trail zum „Dornröschen” vom Ama­zonas ist die schön­ste Tages­tour die ich bisher unter­nommen habe. An­fän­ger wie er­fahrene Berg­wan­derer kommen hier voll auf ihre Kosten.

Flora Flora Urwaldriese Urwaldriese

7. Tag – Auf Schatzssuche im Dschungel

Nach einem gemäch­lichen Tages­beginn mit Früh­stück um 7.45 Uhr, brechen wir mit Alberto und Jeremias ohne Gepäck zu einer ver­las­senen Aqua­marin­mine auf. Auf dem Weg sehen wir (wieder einmal) Flora und Fauna, über die man sonst nur liest wie die trau­ben­artigen Reben auf dem Wald­boden, die gigan­tischen bra­silia­nischen Nuss­bäume (Bertholletia exelsa) und die berühmten Gummi­bäume (Hevea brasiliensis). Die reiche Geschichte des Gummi­baums in Bra­silien ist es wert, hier erwähnt zu werden.

Die Omagua-Indianer ent­deck­ten die Eigen­schaften des Kaut­schuks im 18. Jahrhundert. Doch es war Charles Good­years Ent­deckung der Vulka­nisa­tion im Jahre 1844 und die Ent­wick­lung des Luft­rei­fens im Jahre 1888, die die kom­mer­zielle Explo­sion ver­ur­sachten. Der Kaut­schuk­preis schnellte in die Höhe und im Jahre 1897 produ­zierten Gummi­zapfer (Seringueiros) in Bra­silien 21.000 Tonnen „flü­ßiges Gold” und waren für 88 Prozent der welt­weiten Gummi­exporte ver­ant­wort­lich, was ein unge­wöhn­lich starkes Monopol schuf und die Hafen­stadt Manaus um 1900 dank der „Gummi­barone” in eine der reich­sten Städte der Welt ver­wan­delte. Doch die Ge­schichte ver­liert ihren süßen Ge­schmack, als der eng­lische Bota­niker Henry Wick­ham (1876) 70.000 Hevea brasiliensis Samen auf ein Dampf­schiff lud, aus Bra­silien schmug­gelte (unter dem Vor­wand, es wären seltene Pflan­zen­proben für Queen Vic­toria) und sie in von Eng­ländern kon­trol­lierten Plan­tagen in Malay­sia an­pflan­zte, wo sie um das Jahr 1912 reif zur vollen Kaut­schuk-Pro­duk­tion waren. Bra­si­liens Preise konnten so unter­boten werden, gerade vor dem Ersten Welt­krieg, und inner­halb eines Jahr­zehnts wurde Manaus wieder zu einer abge­legenen Urwald­stadt. Der ameri­ka­nische Indu­strielle Henry Ford (Er­finder der Fließ­band­pro­duktion) ver­suchte mit den Eng­ländern zu kon­kur­rieren, indem er seine eigenen Ama­zonas-Plan­tagen an­legte (bei Fordlândia und Belterra, die immer noch 500 Meilen von Belém vom Ama­zonas aus sichtbar sind), um seine Reifen für das Modell-T her­zu­stellen, jedoch hatte er keinen Erfolg. Die Ent­wick­lung des Kunst­stoffes in den 40er und 50er Jahren machte dann fast allen Kaut­schuk­pro­duk­tionen auf der Welt ein Ende.

Hinterlassenschaften der Aquamarin-Jäger Hinterlassenschaften der Aquamarin-Jäger Schmetterling Schmetterling Zikade Zikade Spinne Spinne

Zurück zum Weg zur Aqua­marin­mine, wo wir ein wildes Schwein zwischen hohen Fels­for­matio­nen herum­rennen sehen, in denen tiefe Höhlen klaffen, ideale Ver­stecke für Jaguare. Obwohl wir keines dieser pracht­vollen Tiere zu sehen be­kommen, er­starren wir beim An­blick der Baum­rinden, an denen sie ihre Krallen ge­schärft haben.

Wir gehen weiter und kommen zu dem Platz, an dem früher die Minen­ar­beiter (Garimpeiros) ihre Camps hatten, von denen einige noch immer zu sehen sind, obwohl der Wald sich längst rege­neriert hat, nach­dem die Garimpeiros im Jahre 1994 abzogen waren, als das Militär die Mine still­gelegt hatte. Wir be­finden uns hier tief im Regen­wald, ab­ge­schnit­ten von jeg­licher Zivi­lisa­tion und es ist schwer sich vor­zu­stellen, wie sie es ge­schafft haben, all die schwere Aus­rüs­tung und die nötigen Ver­sor­guns­güter für die lang­dauern­den Minen­ar­beiten hier erst­mals herzu­bringen. Unser Guide Alberto erzählt uns auch die Ge­schichte von einem Gaúcho aus dem Süden, der hier grub und 20 kg kost­barer Aqua­ma­rine zum Ver­kauf nach Manaus brachte und ver­sprach mit not­wen­digem Nah­rungs­mit­teln und Aus­rüs­tung zu­rück­zu­keh­ren, der aber nie­mehr gesehen wurde! Seine Garimpeiro-Kame­raden gerie­ten in einen furcht­baren Streit sei­net­wegen und waren ge­zwungen, die Mine zu ver­lassen. Wie dem auch sei, wie über­all in Ama­zonien fand einer Edel­steine, die anderen folgten und der Ort wurde bis 1994 aus­ge­beutet.

Nach fünf Minuten Fuß­marsch er­rei­chen wir die ei­gent­liche Mine. Sie be­steht jetzt aus flim­mern­den Tüm­peln voller Frö­sche und glit­zern­den Quarz­strän­den. Wir bleiben eine Weile und denken darüber nach, wie einst die Männer hier darauf be­standen, „Mutter Natur” aus­zu­beuten und zu be­herr­schen. Mit diesen er­nüch­tern­den Ge­danken kehren wir zu unserem Camp zurück, wo wir um 12.30 Uhr ankommen.

Zu unserem Schrecken ist unser Camp von Mos­kitos um­wölkt (es scheint, sie haben uns gera­dezu auf­ge­spürt!). Um der Plage zu ent­gehen, essen wir schnell und ent­schei­den uns, den Weg zum Igarapé des Rio Arabú zu­rück­zu­mar­schie­ren. Da wir den Weg vor zwei Tagen bereits ge­gangen sind, brauchen wir nur zwei Stunden und 15 Minuten – viel­leicht an­ge­spornt von dem Wissen, dass uns (wie immer auf diesen Touren) ein per­fek­tes Er­fri­schungs­bad erwartet. Bei der Ankunft ist wenig zu tun außer sich in der idyl­lischen Umge­bung zu ent­spannen nach einer wunder­baren Tages­wan­derung durch den Busch. Wie ge­wöhn­lich bereiten die Guides ein sät­tigen­des Abend­essen (ich nannte es „Dschungel-Bolognese”), das alle genie­ßen, bevor Aldair und Jeremias eine nächt­liche Angel­tour mit ihren Macheten und Taschen­lampen unter­nehmen, um unse­ren Speise­plan um einige Pro­teine zu berei­chern!

Flora Flora Hier steht eine Beschreibung Alberto bereitet einen Heiltrank zu Alberto bereitet einen Heiltrank zu

8. Tag – Ein Ruhetag!

Nach dem gestrigen frühen Auf­bruch vom Camp Bela Adormecida bietet der heutige Tag eine gute Gele­gen­heit zum Aus­ruhen und Wäsche­waschen, da genug Zeit ist, die Sachen über einem von Tristan und Peter ent­fach­tem Feuer zu trocknen – alles beginnt, ver­räu­chert zu riechen, aber immer­hin ist es sauber! Ich bleibe mit Peter bleiben den ganzen Tag im Camp, genie­ße den Frieden, die herr­liche Um­gebung und wir be­sprechen die Details zukünf­0tiger Southern Cross Tours Unter­neh­mungen, nur vom gele­gent­lichen erfri­schen­den Ein­tau­chen in den Fluss unter­brochen.

Das Mittag­essen aus Bohnen­ein­topf, Nudeln, Reis und ge­grill­tem Fisch vom Fang der letzten Nacht bereitet die Expe­ditions­teil­nehmer gut auf ihre Ent­deckungs­tour mit Alberto vor, die ihnen noch mehr Gele­gen­heiten bieten, das viel­fäl­tige Tier- und Pflan­zen­leben zu beob­achten und zu foto­gra­fieren. Sie kommen nach über einer Stunde zurück und Alberto trägt ein paar Saracura-Wurzeln, aus denen er einen Heil­trank braut, der nach seiner Aus­sage alle Organe im Körper reinigt. Es ist ein recht lang­wie­riger Prozess, der damit beginnt, kleine Stücke der Wurzel in einen Tie­gel zu schaben, dann fügt er Wasser hinzu und schlägt es kräftig mit einem Wurzel­stück, bis es schäumt. Danach schabt er den Schaum aus, wieder­holt die Prozedur noch viermal und trinkt schließ­lich die Mischung, die einen bit­teren Ge­schmack hat, jeoch immer besser wird, je mehr man trinkt. Ein wei­teres aus­gezeich­netes Abend­essen mit Steak, Wurst, Fisch, Teig­waren und Reis bereitet unsere nun aus­geruh­ten Körper auf den Trail des näch­sten Tages vor. Nach einer Tasse Tee ziehen sich alle um 21.30 Uhr in ihre Hänge­matten zurück.

Bach Bach Sítio Sítio Oncidium Oncidium

9. Tag – Rückkehr zum Kanu

Es hat nun seit drei Tagen nicht geregnet, was unge­wöhn­lich er­scheint, wenn man bedenkt, dass wir uns tief im Regen­wald befinden, aber wir können uns nicht beklagen, da so niemand unter der Last nasser Aus­rüs­tung zu leiden hat! Die Gruppe wacht um 7.00 Uhr zum Früh­stück auf, bevor wir um 8.30 Uhr zum Wasser­fall und unserem Kanu zu­rück­wan­dern. Wir er­rei­chen das Kanu (ja, es ist noch da – wie auch der Teib­stoff und der Motor!) um 10.30 Uhr. Wir nehmen wieder ein erfri­schen­des Bad im Wasser­fall. Jeremias und Alberto haben Früch­te von der nahe­lie­genden Plan­zung ge­sammelt an denen wir uns auf der ein­ein­halb­stün­digen Boots­fahrt zurück zur Sitio Jeremias laben. Das Stück Land war ur­sprüng­lich eine von ameri­kani­schen Missio­naren ange­legte Sied­lung und Plan­tage mit einer Schule, Kran­ken­haus und wei­teren Ein­rich­tungen, die heute nicht mehr zu finden sind. Es wurde Jeremias' Vater hin­ter­lassen, der es jedoch nicht unter­halten konnte (Mischung aus Cachaça und Kapi­tal­mangel!) und es in diesem Zu­stand seinem Sohn ver­erbte. Wir spannen unsere Hänge­matten in der Hütte auf, bevor Tristan, Aldair und Alberto mit dem Boot nach Camanaus fahren, um ein paar Bier (Cerveja) und Zuckerrohrschnaps (Cachaça) zu holen, da der harte Teil der Expe­dition nun vorbei ist und wir etwas relaxen können! Jeremias be­grüßt uns bei unserer Rück­kehr mit den Resten unseres Pro­vian­tes, einem Nudel­fest­mahl, Thun­fisch in Toma­ten­soße und Boh­nen­ein­topf mit Kar­tof­feln und Reis.

Nach dem Mittag­essen und ein paar wohl­ver­dien­ten Bieren gehen Tristan und die Guides fischen. Angel­ruten gibt es nicht, nur eine Schnur und einen Haken mit Wür­mern als Köder von der Sitio. Die Indio-Guides sind wirk­lich ge­schickt damit, während meine Beute aus einem ein­zigen Fisch in zwei Stunden besteht – aber ich denke, das ist alles eine Frage der Übung! Wir fischen am sanft in den Rio Negro ab­fal­lenden Stein­strand – an dem­selben Ort, an dem Tristan seine Tages­notizen schreibt, auf denen dieser Bericht basiert.

Schmetterling Schmetterling Flora Flora Hier steht eine Beschreibung

Es ist einer der male­risch­sten Orte, den wir auf der ganzen Expe­dition besucht haben, beson­ders wenn die tinten­schwarze Nacht sich über ihn senkt und der Sonnen­unter­gang die Cumulo-stratus-Wolken gegen den Dschun­gel auf der anderen Seite des Rio Negro (mindestens 1,5 km ent­fernt) abhebt, während der Fluss sanft meine Füße um­spült. Das Kreuz des Südens, das Southern Cross, er­scheint im strah­lendem Weiß am Sternen­himmel, als der Tag naht­los in die Nacht über­geht. Eine geheim­nis­volle Magie breitet sich über den Platz aus.

Zurück vom Fischen, braten wir die Fische auf Spießen über dem Feuer, während wir kaltes Bier, fri­schen Saft aus Früchten, die über­all in der Umge­bung der Sitio wachsen, und Cachaça trinken, wobei sich eine andere Art von Magie aus­brei­tet. Die Expe­ditions­teil­nehmer schlafen bereits und Peter, Tristan und die Guides unter­halten sich über ver­gan­gene und gegen­wär­tige Er­fah­rungen im Regen­wald beim un­heim­lich fla­ckern­den Schein des Kerzen­lichts, unter­malt von den nun schon ver­trau­ten Dschun­gel­geräu­schen. Alberto scheint einen unend­lichen Vorrat an Geschichten zu haben, eine so fas­zinie­rend und span­nend wie die andere. Aldair und Jeremias meinen, mehr Fische fangen zu müssen und ver­schwin­den in der Dunkel­heit mit hand­ge­machten Har­punen, um zu sehen, was der Fluss her­gibt. Alle anderen ziehen sich in ihre Hänge­matten zurück, um sich aus­zu­schlafen.

10. Tag – Die letzte Etappe

Wecken um 6.30 Uhr, Tristan macht Früh­stück über dem Feuer: Tee und Kaffee, ge­backene Bohnen und Speck, extra aus Eng­land mit­ge­bracht. Während die Expe­ditions­teil­nehmer mit Alberto und Jeremias auf ihre letzte Ent­deckungs­tour im Regen­wald gehen, bereitet Aldair den ver­gan­gene Nacht gefan­genen Fisch zu. Tucunaré heißt der Fisch, der groß (wie eine Forelle) ist und wunder­schön gemus­tert mit großen gelben Krei­sen auf beiden Seiten.

Tobias und Corinne Tobias und Corinne Wespennest Wespennest Hier steht eine Beschreibung Hier steht eine Beschreibung Butterfly Butterfly

Sobald die Gruppe zurück­kommt, essen wir den Tucunaré (ge­grillt abso­lut köst­lich) mit kaltem Reis­salat und Bohnen­ein­topf, bevor wir das Camp ab­brechen und das Kanu be­laden, um unsere Rück­fahrt nach São Gabriel da Cachoeira anzu­treten. Um 13.30 Uhr legen wir ab, der Außen­bord­motor treibt uns gegen die Strö­mung des Rio Negro fluss­auf­wärts. Auf der Fahrt können wir einen sel­tenen Blick auf die rosa­far­benen Fluss­del­phine er­haschen, während Alberto all seine Geschick­lich­keit und Er­fah­rung mit dem Fluss ge­braucht, um die vielen Strom­schnel­len und Fels­brocken sicher zu bewäl­tigen, die als natür­liche Hinder­nisse unser Voran­kommen er­schweren. Tobias und Corinne jedoch scheinen nichts von den Ge­fahren des Flusses zu spüren, wäh­rend sie ehr­fürch­tig die spek­taku­läre Aus­sicht auf den Bela-Adormecida-Berg be­stau­nen und emsig foto­gra­fieren, glücklich, dass sie es bis zum Gipfel geschafft haben.

Wir kommen um 16.00 Uhr in São Gabriel an und checken wieder in das Hotel Waupés ein, bevor wir den indi­ani­schen Kunst­hand­werks­laden besuchen, in dem die Expe­ditions­teil­nehmer eine Land­karte und einen hand­ge­machten Topf als Sou­venirs von ihrem Ama­zonas-Aben­teuer er­werben. Schöne hand­ge­machte Körbe aus Lianen in allen Formen und Größen, kleine Schach­teln aus Kokos, fein ge­schnitzt und ge­mustert, gibt es hier zwischen vielen anderen aus­ge­stellten Waren, die auch noch preis­wert sind! Wir gehen zurück zum Hotel, um eine drin­gend nötige Dusche zu nehmen und unsere Aus­rüs­tung zu­sam­men­zu­packen, bevor wir mit den Guides ein oder zwei letzte Biere trinken. Danach nehmen wir mit den Expe­ditions­teil­nehmern ein köst­liches Abend­essen im besten Res­taurant der Stadt ein. Tristan, der ja erst kürz­lich dem Southern Cross Team bei­ge­treten ist, wird von Peter und den Guides „The Jungle Boy” getauft. Um 23.00 Uhr, fallen wir in unserem Hotel in die be­quem­sten Betten, die wir je erlebt haben – im Ver­gleich zu den Hänge­matten unter den Sternen!

11. Tag – Der Rückflug

Frühstück um 6.30 Uhr im Hotel, bevor wir den Rico Bus zum Flug­hafen für unseren Rück­flug nach Manaus um 9.50 Uhr nehmen. Der Flug an sich ist ein Aben­teuer mit spek­taku­lärer Aus­sicht auf den Rio Negro und den schein­bar end­losen Urwald, ganz zu schwei­gen von den un­vor­her­geseh­enen Zwischen­lan­dungen und den schreck­lichen Flug­bedin­gungen in dem 40 Jahre alten Flug­zeug. Wie auch immer, obwohl wir nur 20 Minuten vor unseren An­schluss­flügen in Manaus landen, schaffen wir es und haben sogar noch Zeit, Corinne und Tobias zu ver­ab­schieden (dank Peters meister­haftem Sprach­ein­satz, der uns schnell durch den Check-in schleuste), bevor wir ge­tren­nter Wege gehen, Peter und Tristan zum Haupt­sitz des Unter­nehmens nach Rio de Janeiro, und die Expe­ditions­teil­nehmer in die Schweiz.

Abschließend darf fest­ge­stellt werden dass die Tour in Nord­amazo­nien eine groß­artige Sache war. Die Flexi­bi­lität der Reise­route ermög­lichte maxi­males Erlebnis für alle Betei­ligten. Ohne jeden Zeit­druck konnte man beob­achten und foto­gra­fieren. Die Guides waren freund­lich, kennt­nis­reich und sehr hilfs­bereit. Das Essen war erst­klassig während der ganzen Reise und die Expe­ditions­teil­nehmer schienen die Ferien ihres Lebens erlebt zu haben. Ich denke, wir haben ihre Er­war­tungen an die Reise erfüllt, da es einfach nur ihr Ziel war „im Dschungel zu sein”! Unsere Tour hat diesen Wunsch berück­sich­tigt und ihnen einiges darüber hinaus gegeben. Alles in allem liefert diese Southern Cross Expe­dition 5-Sterne-Aben­teuer – wie all die anderen Touren, probiert sie aus!!!!