Dass das Klima bereits seit einiger Zeit ausser Kontrolle geraten ist, zeigt sich weltweit an Überschwemmungen, extrem harten Wintern, Hitzewellen und immer stärkeren Orkanen. Laut einer gestern veröffentlichten Prognose der Weltorganisation für Metereologie (WMO) werden diese Phänomene öfter in den kommenden Jahrzehnten zu erwarten sein. 2010 war schon das heißeste Jahr seit Beginn der Messungen, die nächsten sollen das Thermometer weiter steigen lassen. Ghassam Asrar, Direktor des Weltklima Forschungsprogramms (WCRP) der WMO bat nun die Länder auf der 16. Klimakonferenz im mexikanischen Cancún, ihre Infrastruktur so weit zu verbessern, dass sie gegen extreme Wetterbedingungen gewappnet sind.
Die britische Beratungsfirma Maplecroft stellte im Oktober ein Ranking der durch den Klimawandel verletztlichsten Länder auf, bei dem Brasilien an 81. Stelle von 170 mit der Einstufung "hohes Risiko" erschien. Matthew Bunce, einer der Forscher der Studie, warnte vor bemerkenswerten Veränderungen der klimatischen Parameter Brasiliens wie Niederschlagsmenge, Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den kommenden 30 Jahren. Demnach sind die östlichen Regionen des Landes stärker von den Risiken des Klimawandels betroffen und für Überschwemmungen und Dürren anfällig. Extreme Veränderungen werden zwar nur für etwa 30% des brasilianischen Territoriums vorausgesehen, jedoch leben in eben dieser Region große Teile der Bevölkerung. Das Brasilianische Institut für Weltraumforschung (INPE) hat bereits seine vor drei Jahren abgegebenen Prognosen zum Klimawandel korrigieren müssen. Der vorgesehene Temperaturanstieg bis 2010 um bis zu 4 Grad Celsius in Amazonien wurde auf 5 Grad Celsius in der Region Norden erhöht, während im Süden die Thermometer nur bis zu 3 Grad Celsius steigen werden.
Klimatologe José Marengo vom INPE erklärte nun, die Durchschnittstemperatur würde bis 2050 um mehr als drei Grad Celsius in großen Teilen Brasiliens steigen und damit eine Reihe von Veränderungen auslösen. Die Caatinga würde sich in eine Wüste verwandeln, der Amazonas-Regenwald weiter zurückgehen und schwere Dürren durchmachen, bei denen diverse Arten aussterben würden. Im Süden dagegen würde sich die Niederschlagsmenge erhöhen und die Städte mit Überschwemmungen und Erdrutschen bedrohen.